Der Markt für Fotografen hat sich in den letzten zehn Jahren entscheidend gewandelt. Das liegt einerseits an der inzwischen herausragenden Qualität der Digitalfotografie und Bildbearbeitungssoftware und den in Folge gesunkenen Equipment- und Studiokosten. Andererseits bedingt die Digitalisierung der Medien einen ständig steigenden Bedarf an preiswerterem Bildmaterial. In der Praxis bedeutet dies für junge Fotografen einen leichteren Einstieg in die Fotobranche, auch ohne eigenes Studio und jahrelange Erfahrung.
Talent und Selbstdisziplin sind natürlich nach wie vor entscheidende Erfolgskriterien – vor allem aber braucht man als junger Fotograf eine intelligente Markteintritts- und Selfmarketingstrategie.
Die gute Nachricht: Richtig genutzt, können die extensiven Networkingmöglichkeiten, die das Internet und in letzter Zeit speziell die Social Media Angebote bieten, fast kostenfreie Grundlagen solcher Strategien bilden. Der folgende Workshop gibt einen Überblick über die drei wichtigsten günstigen oder sogar kostenfreien Mittel des effektiven Selfmarketing für Fotografen on- und offline.
1. Der eigene Internetauftritt
Natürlich sind ausgedruckte Portfolios prestigeträchtig und machen visuell viel her. Wer das Geld übrig hat, sollte sich bei einem guten Fotoentwicklungsgeschäft die besten Shots abziehen lassen und präsentationsfähig zusammenstellen; entsprechende Präsentationsmappen gibt es online bei Fotofachgeschäften zu bestellen. Für Inhouse-Akquisetermine bei Kunden und Agenturen macht sich eine Mappe nach wie vor gut.
Eine eigene Präsenz im Web ist für junge Fotografen dennoch absolut unumgänglich. Wer sich die Programmierung und das Design einer kompletten Webseite nicht leisten kann, ist auch mit einem kostenfrei zu erstellenden Blog, wie wordpress.com oder blogger.com sie anbieten, schon gut bedient.
Wichtig für SEO-Zwecke ("SEO" = "Search Engine Optimization" = "Suchmaschinenoptimierung") ist allerdings dennoch der Kauf einer eigenen URL. Der Domainname kann problemlos der tatsächliche Name des Fotografen sein; alternativ sollte das Schlüsselwort "Foto" idealerweise in der URL auftauchen, um das spätere Suchmaschinenmarketing zu erleichtern. Die URL kann dann als Weiterleitung auf den Blog aufgesetzt werden.
Essenziell ist eine konstante Befütterung des Blogs mit neuem Bildmaterial. Nur dies garantiert kontinuierliche Besucher und damit ein gutes Suchmaschinen-Ranking. Wer schreiben kann, kann die eigene Bildgalerie um einen redaktionellen Magazinteil erweitern, in dem von Shootingreports bis zu neuen Equipmenttechniken und coolen Bildbearbeitungstricks alles besprochen werden kann.
Parallel dazu sollte jeder Fotograf sich mit den Möglichkeiten von Social Media Angeboten beschäftigen. Eigene Profilseiten bei Flickr, Facebook und Twitter sind ein Muss. Dort finden sich auch viele wertvolle Tricks zum erfolgreichen Social Media Marketing.
Wer noch nicht in der virtuellen Sphäre unterwegs war, sollte sich zunächst mal einen Überblick über die Präsenzen anderer Fotografen und die zur Verfügung stehenden Funktionen verschaffen.
Sind alle Webpräsenzen und Profile aufgesetzt, beginnt das SEO-Marketing in eigener Sache. Es lohnt sich, sich mit Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung zu beschäftigen, denn neue Kunden suchen oft bei Google & Co nach einem Fotografen in ihrer Nähe.
2. Intelligentes Networking
Ist die eigene Präsenz erstellt, geht es an die Erstellung von Profilen in externer Umgebung. Es gibt eine Vielzahl externer Netzwerke, online wie offline, die Fotografen die Möglichkeit geben, sich und ihr Portfolio zu präsentieren. Grundsätzlich handelt es sich dabei um drei verschiedene Anlaufstellen, die sich inhaltlich natürlich oft überschneiden: Fotografen-Communities, Branchennetzwerke und Verbände sowie Verzeichnisse.
Die Modelkartei Model-universum.de ist beispielsweise eine ideale Plattform, vor allem für junge People Fotografen, die zusätzlich noch auf der Suche nach Model- und Visagistenkontakten sind. Andere teils sehr große Angebote können auf den ersten Blick etwas demotivierend wirken, weil sie einem die Vielzahl der wirklich guten "Hobbyfotografen" vor Augen führen, die es auf dem Markt gibt. Aber ein Profil auch auf diesen Portalen lohnt sich schon aufgrund der Kontakte.
Weitere Netzwerke mit dem Schwerpunkt Auftragsvergabe und Agenturwelt sind Designportale wie beispielsweise DasAuge.de. Gut gemachte und ausführliche Profile auf dieser Seite werden gerne und häufig von Kunden aufgerufen und gebucht. Hier geht es weniger um das Networking innerhalb der Branche als um die Akquise tatsächlicher Aufträge.
Dann gibt es noch die Mitgliedschaft in den entsprechenden Verbänden. Hier lohnt es, sich zunächst einen Eindruck von der möglichen Bandbreite und dem notwendigen inhaltlichen und monetären Aufwand zu verschaffen – auf jeden Fall nachdenkenswert sind zum Beispiel der DVF (Deutscher Verband für Fotografie e.V), der BFF (Bund Freischaffender Foto-Designer), der AWI (Arbeitskreis Werbe-, Mode- und Industriefotgrafie) oder der PIC (Professional Imagers Club). Auch wenn der Grad der eigenen Professionalisierung eine Mitgliedschaft noch nicht sinnvoll macht, kann man dort doch wertvolle Tipps und Tricks zum Networking und Selfmarketing sammeln und generell einen Eindruck der Branche bekommen.
3. Aktives Selfmarketing
Am Anfang der aktiven Selbstbewerbung sollte immer die Frage stehen: Wo liegen eigentlich meine eigenen Stärken und Fokussierungen? Was ist mein Unique Selling Point: Bin ich besonders flexibel und mobil einsetzbar? Biete ich besonders intelligent kalkulierte Bundle-Preise? Oder sind der eigene Themenfokus und die entsprechende Spezialisierung/Erfahrung besonders interessant? Denn nur bei solch sorgfältiger Definition des eigenen Angebotsportfolios kann auch die anzusprechende Zielgruppe definiert werden – eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Selfmarketing.
Als Nächstes erfolgt der Eintrag in so viele Fotografenverzeichnisse wie nur möglich – unter Angabe der oben erwähnten Schwerpunkte. Diese gibt es inzwischen tatsächlich wie Sand am Meer – eine kurze Googlesuche hilft sofort weiter (Keywords: Fotograf, Verzeichnis). Bei allen Profilen gilt: Nicht immer dieselben Fotos einstellen. Potenzielle Kunden, die auf mehrere Profile stoßen, sollten den Eindruck von Vielfalt gewinnen.
Danach beginnt die Fleißarbeit. Als Markteintrittsstrategie empfiehlt sich eine Rundmail oder ein Rundbrief an potenzielle Kunden – mit dem Schwerpunkt auf der eigenen Region, denn die wenigsten Kunden sind bereit, Reisekosten für Anfänger zu zahlen. Hierfür lohnt sich die Anschaffung des bundesweiten Kreativverzeichnisses Red Box. Postalische Aussendungen sind natürlich teurer in der Herstellung, aber hinterlassen oft einen bleibenderen Eindruck – nicht zuletzt, weil viele Agentursekreteriate immer noch mit haptischen Kontaktdateien arbeiten. Aber Achtung: nicht jede Form der schriftlichen Werbung ist erwünscht und erlaubt (Stichwort Spam).
Wer sich auf Hochzeits-, Kinder-, Schwangeren- oder sonstige spezielle Peoplefotografie spezialisiert, sollte sich entsprechende verwandte Services aus den Gelben Seiten heraussuchen. Tipp: Dann am besten zuerst anrufen, und den Kontakt ankündigen – das spart Zeit und Geld.
Selbstmarketing ist hart, und oft demoralisierend – die besten Fotografen bekommen manchmal trotz wochenlanger Selbstwerbung keine oder nur freundlich absagende Resonanz. Um sich dann nicht entmutigen zu lassen, hilft es oft, kostenfreie Jobs für renommierte Kunden zu machen – das bringt zumindest Erfahrung, Kontakte und ein nicht zu unterschätzend wertvolles Portfolio.
