Selfmarketing für Models

Selfmarketing für Models

0 Selfmarketing für Models

von: Fotograf D-Nero am 26.11.2010 08:06 Uhr
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Im Fashion-Business liegen wie in kaum einem anderen Wirtschaftszweig Schein und Sein oft weit auseinander. Der Aufstieg der Supermodels seit den 80ern und diverse Castingshows erwecken einen falschen Eindruck von Glamour und hohen Verdienstspannen.

Tatsächlich gibt es wenige Berufe, in denen das Angebot den Bedarf in solchem Maße übersteigt wie im Modelbusiness. Dennoch kann es – für eine gewisse Zeit lang – ein interessanter Beruf sein, wenn man ihn auch tatsächlich als solchen versteht. Denn mit ihm gehen alle Herausforderungen und Risiken einher, die auch alle anderen freien, selbstständigen Berufe betreffen. Im besonderen Maße gilt das für das Selfmarketing.

Um aus der Masse unbekannter Models herauszustechen, bedarf es Disziplin, Kreativität, Durchhaltevermögen und der Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum mit eher mageren Finanzen auszukommen. Und es kann nicht schaden, ein paar essenzielle Tipps und Tricks zu kennen, mit denen unbekannte Gesichter sich selbst zu gut gebuchten Models gemacht haben.

1. Unumgänglich: Erstklassige Fotos

Die Sedcard ist nach wie vor das absolute Aushängeschild jeden Models, denn sie ist gleichzeitig das primäre Shooting-Organsationstool jedes Fotografen und jeder Agentur weltweit. Die Sedcards und dazugehörigen Erstellungstipps an anderer Stelle hier in der Modelkartei Model Universum sind schon enorm hilfreich (siehe: Neu angemeldet als Modell? Tipps für den Anfang!). Sie zeigen auch schon auf, dass es zwei Möglichkeiten zur Sedcard Erstellung gibt: Online und Offline.

Voraussetzung für beide Sedcard-Arten und unabdingbar für jede Self-Marketing Maßnahme ist allerdings die Produktion guter Fotos. Sie sind das wichtigste Tool, das einem Model zur Auftragsakquise zur Verfügung steht.
Deshalb ist der erste Schritt immer die Kontaktaufnahme mit guten Fotografen.

Meist fehlt es am Anfang an Geld, um einen renommierten Fotografen für die Aufnahmen zu bezahlen. Zum Glück jedoch eröffnen die Digitalfotografie und die diversen Fotografen- und Networking Communities die Möglichkeit, mit den oft sehr guten, und manchmal sogar überdurchschnittlich kreativen, weil vom Markt unverfälschten, Hobbyfotografen auf einer sogenannten WinWin-Basis zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, dass Model und Fotograf für ihre Shootingkosten selber aufkommen, und beide nach dem Shooting das Bildmaterial jeweils für ihre Eigenpromotion nutzen dürfen.

Sinnvoll ist es übrigens, hierüber einen Lizenzvertrag aufzusetzen – denn auch Hobbyfotografen haben ein Urheber- und Leistungsschutzrecht, auf dem sie bestehen können.

Zwei Schritte führen zu einem konstruktiven Shooting mit für das Model brauchbaren Ergebnissen.
Zum Einen das Erstellen einer Liste mit Must-Haves, Fotos mit bestimmten Perspektiven und Posings also, wie sie Agenturen und Kunden zur Beurteilung des Models benötigen. Dazu gehört mindestens eine Porträtaufnahme mit Augenkontakt sowie eine Halb- und eine Ganzkörperaufnahme. Wird eine Spezialisierung angestrebt, zum Beispiel als Hand- oder Unterwäschemodel, muss auch dieser spezielle Aspekt in einem der später präsentierten Fotos klar herausgestellt sein. Nicht jedes Shooting muss alle Perspektiven abdecken; aber mit dem Fotografen sollte von Anfang an vereinbart sein, dass zumindest ein entsprechendes Motiv dabei herauskommt.

Zum Zweiten die Auswahl des Fotografen. Hier lohnt es sich, ein paar Abende freizuhalten für eine ausführliche Umschau in den diversen Communities wie der Modelkartei Model Universum. Gefällt ein Fotograf, kann eine kurze Anfrage per Mail nicht schaden, am besten bereits mit Angabe der genauen Absicht dahinter.

Nach dem Shooting und einer eventuellen Bildbearbeitung sollte das Model am Schluss eine DVD oder einen USB-Stick mit den Bildern des Shootings zur freien Verwendung erhalten. Der Zeitraum zwischen Shooting und Bilderhalt sollte ebenfalls im Vertrag festgehalten sein, zwecks Planungsmöglichkeiten.

2. Die Sedcard

Die gedruckte Sedcard hat ein Format von DIN A5. Auf der Vorderseite sollte ein formatfüllendes Porträt mit direktem Augenkontakt sein. Dieses Bild entscheidet in fast allen Fällen darüber, ob die Rückseite überhaupt angeschaut wird. Daneben wird der Name des Models in schwarz (auf heller Bildstelle) oder weiß (auf dunkler Bildstelle) eingefügt. Schwarz-Weiß-Fotos sind oft künstlerischer, aber für diesen Zweck ungeeignet, da sie zu wenig Auskunft über das Model geben. Alle anderen Angaben gehören auf die Rückseite, wo auch Raum für weitere Fotos ist. Die verwendeten Fotos und Posings sollten vielseitig sein, hier können die Bilder allerdings auch oder nur schwarz-weiß sein, was die Kosten entscheidend senkt und von den Agenturen als selbstverständlich betrachtet wird. Wer bereits veröffentlichte Fotos hat, sollte diese für die Rückseite unter Nennung vom Veröffentlichungsmedium wählen. Sobald die ersten Veröffentlichungen stattgefunden haben (besonders wertvoll sind Printaufnahmen), sollten in jedem Fall neue Sedcards angefertigt werden.

Jedes Fotoshooting hat ein Anforderungsprofil, nach dem die Sedcards selektiert werden. Die relevanten Daten sollten deshalb klar zu erkennen sein; wichtig sind Körpergröße (Oberweite, Taille, Hüfte), BH-Größe (Unterbrustweite/Cup), Konfektionsgröße, Kopfweite, Augenfarbe und Haarfarbe. Wer international arbeiten möchte, sollte sowohl deutsche (Zentimeter) als auch englische Maße (Zoll) angeben. Profikarten erkennt man daran, dass sie einen freien Bereich auf der Rückseite haben, in den Adressaufkleber eingefügt werden können.

Die Sedcard kann problemlos digital in einem guten Copyshop gedruckt werden, sollte allerdings von guter Druckqualität sein. Der Karton muss hochwertig sein und eine Papierstärke von mindestens 280 g/m² aufweisen. Sedcards werden oft in der Hand gehalten und nicht immer pfleglich behandelt; je besser das Ausgangsmaterial, desto länger sehen sie gut aus. Am besten ist eine zellophanierte Oberfläche, die auch die Farben satter erscheinen lässt. UV-Lackierungen nutzen sich viel schneller ab. Besonders luxuriös sind Klappkarten; allerdings auch teurer in der Herstellung. Für die Frage des Gebuchtwerdens machen sie keinen relevanten Unterschied. Der Erstdruck sollte sich auf etwa 1.000 Exemplare belaufen; an Agenturen verschickt man immer etwa vier bis sechs, an Fotografen zwei Stück.

3. Klinkenputzen

Ein hartes Wort, aber wahr. Denn wie bekommt man nun die Sedcard zu den Agenturen, Kunden und Fotografen, die auch Jobs vergeben? Natürlich kann die Sedcard schlicht in einen Umschlag gesteckt und mit einem sehr kurzen Anschreiben an Agenturen geschickt werden, die man sich vorher ausgesucht hat. Das muss sowieso getan werden. Quellen hierfür sind die Red Box, der Art Directors Index, das Art Buyers Handbook, die Adressenverzeichnisse des AWI oder BFF und seltener auch die Künstlerdienste der Agentur für Arbeit.

Es lohnt sich, Zeit in die Recherche dieser Kontakte zu investieren, und dann eine selektierte Anzahl zunächst telefonisch zu kontaktieren, um einen kurzen, persönlichen Kennenlerntermin zu vereinbaren. Zu diesem nicht zu sehr aufbrezeln, sondern gepflegt und natürlich erscheinen und nicht zu viel Zeit des Bookers in Anspruch nehmen. Wenn eine Agentur um eine postalische Zusendung bittet, niemals auf einen Besuch bestehen wollen!

Dann heißt es warten – und sich darüber klar werden, ob man überhaupt bei einer einzigen Agentur exklusiv signen oder sich die Freiheit vorbehalten möchte, mit mehreren Kunden zeitgleich zusammenzuarbeiten. In letzterem Fall beginnt der zweite Schritt der Selbstvermarktung – online. Er besteht aus der Erstellung einer Facebook oder MySpace-Präsenz beziehungsweise einer eigenen Webseite, sowie dem Einstellen der eigenen Daten in Communities und Netzwerken. Man muss damit rechnen, im Zuge dieser Self-Promotion eine ganze Reihe von Angeboten zu bekommen, die miserabel bezahlt oder manchmal einfach offensichtlich unlauter sind. Es bedarf einer dicken Haut und viel Geduld, hier die lohnenswerten Angebote von den Zeitverschwendenden zu trennen.

Wer sowieso nebenbei Jobs machen muss, um Geld zu verdienen, sollte versuchen, dies im Umfeld der Fashion- und Medienindustrie zu tun. Modeschauen, Fashion Weeks und Media Events sind die perfekten Orte, um ein Gefühl für die Branche und ihre internen Regeln zu bekommen, und führen oft über Umwege zu interessanten Kontakten.

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